Beim Friseur

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Beim Friseur

 

Heute war es wieder einmal soweit. Der unvermeidbare Gang zu Friseur stand an. Meiner Meinung nach, war es überhaupt nicht nötig, aber meine Frau drängt doch schon ein bisserl. Also ging ich zu meinem Friseur. Naja, eigentlich ist der Ausdruck “mein Friseur” etwas übertrieben. Erstens gehört er nicht mir, zweitens ändert sich dort sowieso ständig das Personal und drittens gehe ich höchstens dreimal im Jahr hin.

Ich war noch nicht richtig munter, als ich den Salon betrat. War gestern doch etwas später geworden. Eine zierlich klein gebaute Blondine, höchsten 20 Jahre alt, zeigte mir meinen “Folterstuhl”, wo ich dann Platz nahm. Aha, dachte ich, das Lehrmäderl von hier. Wieder ein neues Gesicht. Sie fragte mich, ob wir die Haare waschen wollen. Wir? Muß ich mir die Haare selber waschen, fragte ich und versuchte ein bisserl Lockerheit reinzubringen. Hehe, kam von ihr. Ein Verlegenheitslacher. “Wir” haben die Haare nicht gewaschen, das verzögert nur das Ganze.

Sie brachte mir einen Kaffee der Marke Sonderbar. Es roch nach Kaffee, es sah aus wie Kaffee, aber es schmeckte ganz und gar nicht nach Kaffee. Nicht schlecht, aber eben kein Kaffee. Ich wollte gerade trinken, da fragte mich der kleine Paris Hilton Verschnitt, wie ich denn die Haare möchte. Okay, doch kein Lehrmäderl mehr. Hoffe ich zumindest. Nun, bitte ganz Kurz, antwortete ich. Wieder ein Schluckversuch von mir, aber den unterband sie, indem ich Umhang umgeschnallt bekam. Hat irgendwie etwas von Supermann mit seinem Cape, dachte ich.

Dann kam sie mit einer Maschine und los ging es. Meine Federn fielen büschelweise zu Boden. Sie machte kurz Pause und ich versuchte wieder einen kleinen Schluck zu machen. Aber sie war schneller.”Bitte runterschauen”, kam die Anweisung. Also starrte ich auf meinen Bauchansatz und schwor mir, heute das Mittagessen auszulassen. Ich kam mit meiner kleinen Paris ein bisserl ins plaudern. Sie erzählte mir stolz von ihrem Feund. “Der hakelt bei der 48-er, hat jetzt vü ztuan”(Er arbeitet bei der Müllabfuhr und hat jetzt viel Arbeit). “Oba wenn ihn net siach, dann kenn ma a net köchen,hehe.” (Aber wenn ich ihn nicht sehe, dann können wir auch nicht streiten).

Jetzt bearbeitete sie mich mit der Schere. Schluckversuch von mir, Anweisung von ihr, wieder nichts. “Wolln`s de Hoar zruck?”(Wollen sie die Haare zurück) fragte mich little Paris. Nein, die könnt ihr euch behalten, entgegnete ich. “Hehe, der woar supa, i peck mi o”(Hehe, der Witz war gut, ich muß viel lachen) kam von meiner kleinen Friseuse zurück.

Fast geschafft, dachte ich und unternahm einen letzten Schluckversuch. Aber, sie haben`s erraten, wieder nichts. Jetzt kam der Pinsel und mein Cape wurde von den unzähligen Haaren gesäubert. Dann zeigte sie mir mit einem ovalen Spiegel die Rückseite meines Kopfes und sah mich erwartungsvoll an. “Und, passt alles?” fragte sie mich in perfekten Hochdeutsch. Ich konnte es mir nicht verkneifen und sagte “Ja, aber hinten hätte ich sie gerne ein bisserl länger”. Kennen sie den Blick von Otto Walkes, wenn er fragend schaut? Stellen sie sich blonde Haare und Brüste dazu vor und sie wissen sie meine Paris Hilton ausgeschaut hat. “Wie länger? Des geht jetzt oba nimma.(Das geht jetzt aber nicht mehr).

“Passt schon, war nur ein Joke, alles perfekt, sie sind die Beste” antwortete ich ihr und konnte beobachten wie sie um mindestens 10 Zentimeter größer wurde. “Oba sie hob jo goar nix vo m Kaffee trunken.(Aber sie haben ja gar keinen Kaffee getrunken) stellte sie fest und sachaute mich fragend an. Ich sagte nix, sondern lächelte nur.

Bei der Kassa bezahlte ich meine 12 Euro. Ich gab ihr 15 und sagte, dass es schon stimmt. “Naaaa, des Trinkgeld bitte ins Schweinderl schmeissen. Meins is des mit dem Mascherl”. Ich sah vor mir eine Reihe von Keramikschweinderln stehen, jedes mit einem Namensschild versehen und einem Einwerfschlitz für Münzen. Wer Robert Lemkes “Was bin ich” kennt, weiß was sich mir für ein Anblick bot. Wie ist denn ihr Name, wollte ich wissen. “Jessy” lächelte sie mir zu. Alles klar dachte ich, mich hat gerade die Schwester von Tom und Jerry geschnitten.

Ich verließ den Friseur nach genau 16 Minuten. Eine kurze Zeit für die Menschheit, aber eine ewig lange Zeit für mich……

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